Deutsches Kabinett billigt Plan zur Erteilung weitreichender neuer Befugnisse an die Geheimdienste
Die deutsche Regierung hat am Mittwoch einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der den Nachrichtendiensten deutlich erweiterte Befugnisse einräumt, darunter die Möglichkeit, Sabotage- und Hackerangriffe zu unterbinden. Damit reagiert das Land auf die wachsende Bedrohung durch Russland und extremistische Gruppen.
Berlin, 11. September 2025: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, rechts) und Martin Jäger, neuer Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), stehen bei der Amtsübergabe zusammen. |
Das Kabinett hat den Gesetzentwurf unterzeichnet: Die Reform sollte den Bundesnachrichtendienst (BND) und den Inlandsnachrichtendienst (BfV) stärken und gleichzeitig die Abhängigkeit des Landes von Hinweisen verbündeter Nachrichtendienste verringern. Sie erfordert jedoch noch weitere Maßnahmen. parlamentarische Zustimmung, bevor der Plan in Kraft tritt. Gemäß dem Plan erhalten die Geheimdienste erweiterte Befugnisse, auf Laptops, Mobiltelefone und andere Geräte zuzugreifen und die dabei gewonnenen Daten zu speichern.
Ein Wandel hin zu „aktiven Maßnahmen“
Die folgenreichste Veränderung dürfte die Verlagerung hin zu offensiven Fähigkeiten anstelle reiner Informationsbeschaffung sein. Bundesgesundheitsministerin und designierte Kanzleramtschefin Nina Warken, deren Aufgabenbereich unter anderem die Aufsicht über die Nachrichtendienste umfasst, erklärte, der BND könne nun sogenannte „aktive Maßnahmen“ ergreifen. Als Beispiele nannte sie den Austausch defekter Komponenten in Lieferungen, den Zugriff auf die IT-Systeme von Drohnen Fabriken oder Chemiewaffen Laboren, um diese zu sabotieren, sowie die Deaktivierung oder Abschaltung der Server von Hackern oder Desinformationsagenten mit Verbindungen zu ausländischen Staaten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wies separat auf die Möglichkeit hin, den Austausch von Sprengstoffen gegen harmlose Substanzen als eine weitere Form verdeckter Intervention.
Warum jetzt?
Deutsche Regierungsvertreter haben die Umstrukturierung als Reaktion auf eine ihrer Ansicht nach anhaltende hybride Kampagne aus Sabotage, Spionage und Desinformation dargestellt, die Moskau gegen Deutschland, einen der größten militärischen Unterstützer der Ukraine, führt.
German cabinet approves plan to grant more powers to spy services https://t.co/g55susmgTJ https://t.co/g55susmgTJ
— Reuters World (@ReutersWorld) August 12, 2026
Marc Henrichmann, Vorsitzender des Geheimdienst Ausschusses des Bundestages, gegenüber AFP„Wir befinden uns mitten in einem hybriden Konflikt, nicht nur mit Russland, sondern auch mit anderen Akteuren“, argumentiert er und führt aus, dass Deutschlands traditionell vorsichtige Herangehensweise dazu geführt habe, dass es bei seinen Beiträgen zur europäischen Sicherheit ins Hintertreffen geraten sei. Diese Forderung hat nach zwei jüngsten Sicherheitsvorfällen an Dringlichkeit gewonnen: einem tödlichen Anschlag mit einem Auto auf die Berliner Pride-Parade Ende Juli und dem … Entdeckung einer mit Sprengstoff beladenen Drohne letzte Woche in der Nähe eines ukrainischen Frachtflugzeugs auf dem Flughafen Leipzig, einem wichtigen Logistikzentrum der Verteidigungsindustrie.
Ein Bruch mit der Nachkriegs Beschränkung
Die Reform markiert einen bewussten Bruch mit der jahrzehntelangen Vorsicht Deutschlands im Umgang mit Geheimdienst Befugnissen. Diese Zurückhaltung wurzelte in der historischen Sensibilität gegenüber den Überwachungs Missbräuchen unter dem NS-Regime und später in der DDR. Innenminister Dobrindt beschrieb den Wandel unmissverständlich: „Wir machen aus unseren Nachrichtendiensten echte Geheimdienste.“ Der BND, der in diesem Jahr 70 Jahre alt wurde und derzeit von Martin Jäger geleitet wird, … ehemaliger deutscher Botschafter in der Ukraine, wird insbesondere neue Instrumente erhalten, um Bedrohungen durch staatliche Akteure wie Russland und China zu begegnen, angeblich mit Unterstützung von KI.
Was kommt als Nächstes?
Die Koalitionsregierung von Bundeskanzler Friedrich Merz, die unter Druck steht, zu beweisen, dass sie die Sicherheitsarchitektur des Landes modernisieren und gleichzeitig die im Grundgesetz verankerten Rechte wahren kann, benötigt noch die Zustimmung des Parlaments, bevor die Reformen in Kraft treten können. Der Gesetzentwurf wurde bereits seit Monaten erarbeitet und mehrfach überarbeitet, bevor das Kabinett ihn am Mittwoch billigte. Es wird erwartet, dass er im Parlament weiterhin diskutiert wird.
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